Die Organisation war wieder toll, die Räumlichkeiten stießen an ihre Grenzen und die Vorträge waren auch interessant. Gerade für Leute, die zum ersten Mal gründen wollen, gibt es massenhaft tolle Vorträge. Aber auch für die bereits etwas Erfahreneren waren äußerst interessante Aspekte zu erlernen.

So hat die Rechtsanwaltskanzlei Lindenpartners einen hoch interessanten Vortrag über die Fallstricke für Gründer im Vertragswerk von VCs gehalten. Insgesamt ein eher entmutigender Vortrag – nichtsdestotrotz wichtig. Als Fazit bleibt, dass der Gründer, wenn der VC einen Käufer findet, mit verkaufen muss. Dies ist üblich, kann aber auch noch böse Nebenwirkungen haben, je nachdem ob der VC erst mal seinen kompletten Invest bekommt und dann der Rest aufgeteilt wird oder, ob auch noch eine Mindestsumme für den Gründer ausgehandelt wurde. Dazwischen gibt es alle möglichen Spielarten, die in einer sogenannten liquidation preference zusammengefasst werden. Hier sollte man als Gründer sehr genau lesen und jeden Stein umdrehen. Aber selbst wenn man bei der liquidation preference gut verhandelt hat (oder einen netten VC hat) kann bei einem Verkauf ein weiterer blöder Pferdefuß auf einen warten. Denn die liquidation preference gehört in die Satzung einer Kapitalgesellschaft, denn sonst bedient sich danach noch das Finanzamt sehr schmerzhaft bei dem Gründer. Solche Kleinigkeiten werden bei einem Kapitalschritt gerne übersehen. Auch gerne vergessen wird die Möglichkeit, eine Management buy outs(MBO) zu berücksichtigen. Zwar haben die Gründer immer ein Vorkaufsrecht im Falle eines forced exits, jedoch sind oft die Fristen zu kurz und auch keine Vorsorge für diesen Fall getroffen. In solchen Fällen muss man die Möglichkeit haben, den MBO (zumindest zu einem guten Stück) aus dem operativen Geschäft der Firma zu bezahlen. Wenn man so etwas in einem Vertrag haben will, muss man unbedingt die richtigen Profis am Tisch haben. Zum Abschluss der gruseligen Regelungen gab es dann auch noch Hinweise was passiert, wenn das Geschäft nicht wie erwartet explodiert und man nochmals einen neuen Gesellschafter an Bord nehmen möchte. Im Grunde genommen kann man da als Gründer nur mit einer mehr oder weniger harten Enteignung rechnen. Das Zauberwort heißt hier full ratchet. In letzter Zeit gibt es wohl häufiger einen “average ratchet” aber um ehrlich zu sein, klang das für mich auch wie ein A…tritt. Im Ganzen hatte ich den Eindruck, dass das ganze VC-Modell nur etwas taugt, wenn man einen schnellen Hype erzielt. Innovationen sind nicht gefragt und werden durch ein solches Modell nicht gefördert. Leider spiegelt sich all dies auch in der deutschen Gründerszene wieder. Mal ein paar Fakten hierzu:

  1. Das letzte in Deutschland gegründete Unternehmen, welches den Sprung von nichts in den DAX geschafft hat, ist die SAP (davor VW und davor müssen wir ins 19. Jahrhundert). Bitte vergleicht dies mal mit dem NASDAQ in den USA und betrachtet auch welche Unternehmen noch nicht im NASDQ sind und den Sprung noch schaffen werden. Dieser Nachwuchs fehlt Deutschland komplett.
  2. Die VZ Netzwerke waren vor einigen Jahren weder von der Menschenmenge, noch methodisch schlechter als Facebook. Nun liegen die VZ Netzwerke nach dem Weggang der Gründer am Boden. Der Zwang ein Geschäftsmodell zu entwickeln und nicht die Crowd weiterzuentwickeln sowie das Herausdrängen der Gründer hat sich in diesem Falle auch für den (letzten) VC nicht gelohnt.
  3. Die wirklich erfolgreichen Gründer in Deutschland fallen dadurch auf, dass sie die Ideen in den USA nachahmen und quasi dezentral den Vertrieb aufbauen, damit sie sich dann von den Originalen aufkaufen lassen.

Trotz dieses etwas niederschmetternden Berichts, möchte ich mein höchstes Lob an Stefan Wolpers aussprechen. Er ist an dieser Misere sicherlich schuldlos und muss wohl eher zu denen gerechnet werden, die sich mit ihrer ganzen Kraft dafür einsetzen, dass junge unternehmungslustige Menschen die Möglichkeit bekommen, sich und ihre Träume zu verwirklichen. Ich möchte mich für die gelungene Veranstaltung bedanken.

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